Projekt Gute Nachbarschaft - Wolfsburger Süden

Elena Ganski & André Meiners
Gemeinwesenarbeiter im Projekt Gute Nachbarschaft
Dank der Förderung „Gute Nachbarschaft“ ist in den letzten drei Jahren ein lebendiger Prozess gewachsen, der weit über einzelne Veranstaltungen hinausgeht. Die Plantage ist heute nicht nur ein Ort, an dem Angebote stattfinden, sondern ein verlässlicher Anlaufpunkt im Alltag, ein Begegnungsraum, ein Lernort, ein Ort für Teilhabe und ein Knotenpunkt für Vernetzung.
Bestehende Strukturen konnten durch die Gemeinwesenarbeit stärker geöffnet, miteinander verbunden und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig wurden neue Bedarfe sichtbar und daraus passende Wege geschaffen. Menschen finden leichter Zugang, kommen miteinander ins Gespräch, erleben Unterstützung und entdecken Möglichkeiten, sich selbst einzubringen.
Besonders wertvoll ist, dass Menschen inzwischen ganz selbstverständlich vorbeikommen. Manche kommen mit einem konkreten Anliegen, andere einfach für ein Gespräch, ein heißes Getränk oder eine kleine Pause vom Alltag. Aus diesen alltäglichen Momenten entstehen Vertrauen, Beziehungen, Orientierung und oft auch der Mut, den nächsten Schritt zu gehen.
Die Förderung hat dazu beigetragen, Themen sichtbar zu machen, die sonst leicht verborgen bleiben: Einsamkeit, fehlende Mobilität, Sprachbarrieren, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Unterstützungsbedarf im Alltag, fehlende Begegnungsräume, Fragen rund um Alter, Bildung, Teilhabe und soziale Einbindung. Daraus sind nicht nur Angebote entstanden, sondern vor allem tragfähige Verbindungen zwischen Menschen, Einrichtungen, Vereinen, Schulen, Kitas, sozialen Trägern, Verwaltung, Politik und Ehrenamt.
Immer wieder zeigt sich: Begegnung ist der Anfang von allem. Menschen lernen sich kennen, bauen Hemmungen ab, entdecken Gemeinsamkeiten, bringen eigene Fähigkeiten ein und erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind.
Aus der Arbeit vor Ort ist ein Netzwerk gewachsen, das nicht an Ortsgrenzen endet. Obwohl die Plantage in Hattorf verankert ist, kommen Besucher und Ehrenamtliche aus dem gesamten Raum Wolfsburg und aus dem Kreis Lehre. Auch Kooperationen reichen inzwischen deutlich darüber hinaus. Die Plantage verbindet Menschen, Gruppen und Institutionen und wird immer mehr zu einer Stelle, die Kontakte herstellt, Orientierung gibt und Wege zueinander öffnet.
Ein besonderer Ausdruck dieser Entwicklung ist die wachsende Sichtbarkeit der Arbeit. Die Plantage wird als wichtiger sozialer Ort wahrgenommen, in Gespräche auf kommunaler und politischer Ebene einbezogen und ab Juli 2026 als eine von acht offiziellen Seniorenbegegnungsstätten Wolfsburgs anerkannt. Das zeigt, dass aus guter Nachbarschaft verlässliche Strukturen geworden sind.
Gewachsen sind Räume, Beziehungen, Vertrauen, Beteiligung, Ehrenamt, Kooperationen und Netzwerke. Gewachsen ist aber vor allem das Gefühl: Hier ist ein Ort, an dem Menschen willkommen sind, mit dem, was sie mitbringen, und mit dem, was sie brauchen.
Genau das macht gute Nachbarschaft aus.
Wenn du genauer wissen möchtest, was in den letzten Jahren gewachsen ist, klicke dich gern durch die Themen.
Begegnung als Grundlage für Vernetzung
Die Plantage ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem offenen Ort geworden, an dem Menschen niedrigschwellig zusammenkommen können. Es sind Räume entstanden, in denen Menschen sich begegnen, ins Gespräch kommen, Vertrauen aufbauen und eigene Ideen einbringen können.
Gerade durch diese alltäglichen Begegnungen entstehen neue Kontakte und ein besseres Verständnis dafür, was Menschen bewegt. Gemeinwesenarbeit zeigt sich hier nicht nur in neuen Projekten, sondern vor allem darin, Menschen miteinander in Verbindung zu bringen und bestehende Strukturen so zu nutzen, dass daraus Beziehung, Beteiligung und gegenseitige Unterstützung wachsen können.
Menschen kommen vielleicht zunächst mit einem ganz konkreten Anlass zur Plantage und finden darüber Anschluss, bringen eigene Ideen ein oder werden selbst aktiv.
Im Mittelpunkt steht die Frage: Was brauchen Menschen, um sich zugehörig zu fühlen, Unterstützung zu finden, eigene Ideen einzubringen und Gemeinschaft erleben zu können?
Verlässliche Ansprechbarkeit im Alltag
Ein besonders wichtiger Baustein der Gemeinwesenarbeit ist die verlässliche Öffnung des Hauses im Alltag. Die Plantage ist von Montag bis Freitag von 8:00 bis 12:30 Uhr geöffnet. In dieser Zeit sind Elena und André vor Ort und ansprechbar.
Diese feste Präsenz hat in den letzten Jahren viel verändert. Menschen wissen: Hier ist jemand da. Man muss keinen Termin vereinbaren, kein Formular ausfüllen und kein konkretes Anliegen mitbringen. Viele kommen mittlerweile ganz unkompliziert und unangekündigt vorbei, einfach, um zu reden, eine Frage loszuwerden, ein heißes Getränk zu trinken oder für einen Moment eine kleine Pause vom Alltag einzulegen.
Gerade diese niedrigschwellige Erreichbarkeit macht die Plantage zu einem wichtigen Ort. Nicht jedes Anliegen ist groß, sichtbar oder klar benennbar. Manchmal beginnt Unterstützung mit einem kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel. Manchmal reicht ein Kaffee, ein offenes Ohr oder das Gefühl, nicht allein zu sein. Aus solchen Momenten entstehen Vertrauen, Beziehung und oft auch der nächste Schritt: die Teilnahme an einem Angebot, der Kontakt zu anderen Menschen, eine Weitervermittlung oder die eigene Bereitschaft, sich einzubringen.
Die regelmäßige Ansprechbarkeit macht Bedarfe sichtbar, die sonst vielleicht verborgen bleiben würden. Menschen erzählen von Sorgen, Einsamkeit, Unsicherheiten, familiären Belastungen, Fragen zu Angeboten oder dem Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Dadurch kann Gemeinwesenarbeit direkt im Alltag ansetzen: zuhören, sortieren, ermutigen, verbinden und bei Bedarf an passende Stellen weitervermitteln.
So ist die Plantage nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern ein verlässlicher Anlaufpunkt im Sozialraum. Ein Ort, an dem Menschen willkommen sind, auch wenn sie gerade nichts leisten, nichts buchen und nichts erklären müssen. Diese offene Tür ist ein wichtiger Teil dessen, was in den letzten Jahren gewachsen ist: Vertrauen, Nähe, Orientierung und das Gefühl, dass jemand da ist.
Mittagstisch als Ort für Teilhabe und Ehrenamt
Der Mittagstisch bestand bereits vor der Förderung und ist ein wichtiger fester Bestandteil der Plantage. Durch die Gemeinwesenarbeit gelingt es jedoch, diesen Ort noch stärker als niedrigschwelligen Zugang zu Teilhabe, Begegnung und ehrenamtlichem Engagement zu nutzen.
Hier kommen Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen zusammen. Immer wieder nehmen auch Besucher mit migrantischem Hintergrund teil und bringen sich ein, durch Gespräche, Unterstützung, eigene Perspektiven oder ganz praktisch im Miteinander vor Ort. So wird der Mittagstisch zu mehr als einer gemeinsamen Mahlzeit: Er wird zu einem Ort, an dem Zugehörigkeit, Austausch und Teilhabe entstehen.
Gleichzeitig eröffnet der Mittagstisch vielen Menschen einen einfachen Zugang ins Ehrenamt. Wer möchte, kann beim Vorbereiten, Schnippeln, Kochen, Eindecken, Aufräumen oder Begleiten helfen. Auch kleine Aufgaben werden wichtig und sichtbar. So können Menschen sich ausprobieren, Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihr Beitrag zählt.
Gerade beim gemeinsamen Essen entstehen oft unkomplizierte Gespräche. Menschen lernen sich kennen, Berührungsängste werden abgebaut und neue Kontakte entstehen ganz nebenbei.


Das Offene Wohnzimmer ist ein zentraler Baustein der Plantage geworden. Es öffnet regelmäßig montags von 9:00 bis 12:00 Uhr und dienstags von 15:30 bis 17:00 Uhr seine Türen. Menschen können ohne große Hürde vorbeikommen, Kaffee trinken, miteinander sprechen, spielen, kreativ sein oder einfach da sein.
Das Offene Wohnzimmer schafft einen verlässlichen Ort im Wochenrhythmus. Gerade diese Regelmäßigkeit ist wichtig: Menschen wissen, wann sie kommen können, treffen bekannte Gesichter wieder und finden leichter Anschluss. Aus lockeren Gesprächen entstehen Kontakte, aus Kontakten Vertrauen und aus Vertrauen oft neue Ideen oder gegenseitige Unterstützung.
Am Dienstag besucht außerdem regelmäßig ein Therapiehund vom DRK die Plantage. Auch dadurch entstehen besondere Begegnungen. Tiere öffnen oft Türen, erleichtern Gespräche und schaffen eine warme, entspannte Atmosphäre. Für viele Besucher ist dieser Besuch ein besonderer Moment in der Woche.


Sprachcafé und Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfe
Ein besonders schönes Beispiel für diese Entwicklung ist das Sprachcafé. Nach mehreren Einzelterminen ist daraus inzwischen ein regelmäßiges Angebot entstanden. Es findet in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Wolfsburg statt und bietet Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen einen offenen Raum zum Ankommen, Üben, Fragenstellen und Kennenlernen.
Dabei geht es nicht nur um Sprache, sondern auch um Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitiges Verständnis und Teilhabe im Alltag. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, bauen Hemmungen ab und erleben, dass Integration dort leichter wird, wo persönliche Kontakte entstehen.
Das Konzept des Sprachcafés wird inzwischen auch an anderen Orten im Raum Wolfsburg aufgegriffen und ausgebaut. So entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk, das über die Plantage hinaus wirkt und Menschen an verschiedenen Orten miteinander verbindet.


Der Frauenabend hat sich zu einem regelmäßigen Frauentreff entwickelt, der stetig wächst. Hier entsteht eine bunte, offene Gruppe, in der Frauen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammenkommen.
Durch die Kontakte zur Lebenshilfe nehmen inzwischen auch Frauen mit Beeinträchtigung teil. Ebenso finden Frauen aus verschiedenen anderen Kreisen und Zusammenhängen ihren Weg in die Runde. So wird der Frauenabend zu einem niedrigschwelligen Ort für Austausch, Zugehörigkeit und gegenseitige Unterstützung.
Es geht nicht um ein festes Programm, sondern um das Miteinander: miteinander reden, sich gesehen fühlen, neue Kontakte knüpfen und Teil einer Gemeinschaft werden.

Mit dem Männerabend „Lütte Kroog“ ist ein weiteres Begegnungsformat entstanden, das zeigt, wie groß der Bedarf nach unkomplizierten Treffpunkten ist. Beim ersten Abend kamen über 30 Männer zusammen, viele aus Hattorf, aber auch einige aus der Region.
Bei kalten Getränken, Nudelsalat und Wurst entstand eine lockere Atmosphäre mit guten Gesprächen und echter Begegnung. Besonders wertvoll war, dass verschiedene Generationen an einem Tisch saßen. Unterschiedliche Menschen kamen miteinander ins Gespräch, alte Gesichter sahen sich wieder und neue Bekanntschaften entstanden.
Genau solche Abende zeigen, wie Gemeinwesenarbeit wirken kann: ohne großes Programm, ohne Verpflichtung, aber mit viel Raum für Kontakt, Vertrauen und Gemeinschaft. Der „Lütte Kroog“ soll als offenes, unkompliziertes Format weitergeführt werden.


Der Kindertreff ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus Begegnung eigenes Engagement entstehen kann. Die Idee entstand aus zwei Frauen heraus, die sich im Offenen Wohnzimmer kennengelernt haben und gerne etwas für Kinder anbieten wollten.
Aus diesem ersten Wunsch ist ein regelmäßiges Angebot gewachsen. Inzwischen wird der Kindertreff von vier engagierten Frauen getragen, die ihre Zeit, Ideen und Kreativität einbringen. Kinder finden hier einen Ort, an dem sie gemeinsam spielen, basteln, sich bewegen, erzählen, ausprobieren und eine schöne Zeit miteinander verbringen können.
Der Kindertreff zeigt, wie Gemeinwesenarbeit wirkt: Menschen begegnen sich, entdecken gemeinsame Interessen, entwickeln eine Idee und setzen sie selbstständig um. So entsteht aus einem offenen Gespräch ein konkretes Angebot, das Kindern zugutekommt und gleichzeitig Ehrenamt stärkt.
Auch hier wird deutlich, dass die Plantage nicht nur ein Ort zum Teilnehmen ist, sondern ein Ort, an dem Menschen eigene Ideen wachsen lassen und Verantwortung übernehmen können.


Lebenshilfe: bestehende Kooperation, stärker eingebunden
Die Kooperation mit der Lebenshilfe Wolfsburg bestand bereits vor der Förderung. Die Lebenshilfe ist einmal im Monat vor Ort und gehört damit schon lange zur Gemeinschaft auf der Plantage.
Durch die Gemeinwesenarbeit ist es jedoch gelungen, diese bestehende Verbindung noch stärker in weitere Aktionen einzubinden. Bei Veranstaltungen, Festen, gemeinsamen Aktionen und besonderen Tagen ist die Lebenshilfe nicht nur zu Gast, sondern immer wieder mittendrin. So wird Inklusion nicht als spezielles Angebot gedacht, sondern als selbstverständlicher Teil des gemeinsamen Miteinanders.
Begegnung, Bewegung, gemeinsames Essen, Spielen, Feiern und Anpacken schaffen Situationen, in denen Barrieren abgebaut werden und Menschen sich auf natürliche Weise kennenlernen können.


Sport, Bewegung und Begegnung am Vormittag
Ein weiterer wichtiger Baustein sind die neu entstandenen Sport und Bewegungsangebote am Vormittag. Sie bieten insbesondere Menschen, die tagsüber Zeit haben, eine niedrigschwellige Möglichkeit, aktiv zu werden.
Dabei geht es nicht nur um Sport im klassischen Sinn. Die Angebote schaffen eine Brücke zwischen Bewegung und Begegnung: Manche Menschen kommen über den Sport erstmals in Kontakt mit der Plantage und bleiben anschließend zum Gespräch, zum Kaffee oder zu anderen Angeboten. Andere kommen zunächst über Begegnungsformate ins Haus und trauen sich später, auch ein Bewegungsangebot auszuprobieren.
So entsteht ein Wechselspiel: aus Bewegung wird Begegnung und aus Begegnung entsteht neue Bewegung. Diese niedrigschwellige Verbindung ist besonders wertvoll für Menschen, die vielleicht lange keinen Zugang zu Sportangeboten hatten, sich unsicher fühlen oder erst einmal einen vertrauten Rahmen brauchen.

Kinder, Familien und Jugendliche
Kinder, Familien und Jugendliche konnten in den letzten Jahren stärker eingebunden werden. Die Plantage ist für viele junge Menschen zu einem Ort geworden, an dem sie sich aufhalten, ausprobieren, mitgestalten und Gemeinschaft erleben können.
Ein besonders wichtiger Entwicklungsschritt war die Beteiligung der Jugendlichen in Hattorf. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es für Jugendliche im Ort kaum eigene Aufenthaltsräume gibt. Sie waren zwar im Dorf präsent, hatten aber wenig Orte, an denen sie wirklich willkommen waren und ihre Freizeit selbstbestimmt verbringen konnten.
Daraus entstanden erste Gespräche mit Jugendlichen, mit der Stadt Wolfsburg, mit politischen Vertretern und weiteren Akteuren vor Ort. Die Jugendlichen wurden nicht nur befragt, sondern aktiv einbezogen. Sie konnten benennen, was ihnen fehlt, wo sie Schwierigkeiten sehen und welche Wünsche sie für ihren Ort haben.
In einer Beteiligungsveranstaltung auf der Plantage wurde gemeinsam gesammelt, diskutiert, geplant und gestaltet. Dabei wurde deutlich, dass Jugendliche sehr genau wahrnehmen, was in ihrem Umfeld fehlt, und dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn man ihnen zuhört und sie ernst nimmt.
Aus diesem Prozess ist ein konkretes Ergebnis entstanden: die Kukukbox in Hattorf. Sie wurde gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt und später aufgestellt. Damit ist ein sichtbarer Ort entstanden, der zeigt, dass Beteiligung Wirkung haben kann. Jugendliche erleben dadurch, dass ihre Stimmen gehört werden und dass aus ihren Ideen tatsächlich etwas wachsen kann.
Die Entwicklung rund um die Jugendlichen hat auch die Rolle der Plantage verändert. Sie ist nicht nur Treffpunkt für Familien und Kinder, sondern auch ein Ort, an dem junge Menschen mit ihren Bedürfnissen gesehen werden. Gemeinwesenarbeit bedeutet hier, Räume zu öffnen, zuzuhören, Beteiligung zu ermöglichen und gemeinsam mit Jugendlichen konkrete Lösungen zu entwickeln.
Das Repair Café ist als eigenständiges, ehrenamtlich getragenes Angebot entstanden und hat sich zu einem festen Bestandteil der Plantage entwickelt. Auch hier zeigt sich, wie schnell aus einer Idee konkretes Engagement werden kann.
Zwei Männer hatten unabhängig voneinander die Idee, ein Reparaturangebot zu starten. Über die Plantage wurden sie mit einer dritten Person zusammengebracht. Nur eine Woche später startete bereits das erste Repair Café. Inzwischen ist das Team auf fünf Ehrenamtliche gewachsen.
Einmal im Monat können Menschen mit defekten Alltagsgegenständen vorbeikommen und gemeinsam mit dem Team des Repair Cafés nach Lösungen suchen. Dabei geht es nicht nur um Reparaturen, sondern auch um Nachhaltigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe und Begegnung. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, lernen voneinander und erleben, dass Dinge nicht sofort weggeworfen werden müssen.
Das Repair Café schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu technischem Wissen und praktischer Unterstützung. Gleichzeitig entsteht ein Ort, an dem unterschiedliche Generationen, Fähigkeiten und Erfahrungen zusammenkommen. So verbindet das Angebot Nachhaltigkeit, Ehrenamt und Nachbarschaft auf ganz konkrete Weise.
Auch dieses Beispiel zeigt, wie Gemeinwesenarbeit wirkt: Ideen werden gehört, Menschen werden miteinander verbunden und aus einem ersten Impuls entsteht ein tragfähiges Angebot.


Der Tag der Nachbarschaft hat sich als jährlicher Höhepunkt für Bewegung, Begegnung und Gemeinschaft entwickelt. Er zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie lebendig, vielfältig und herzlich das Dorfleben in Hattorf ist.
An diesem Tag kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen: Nachbarn, Familien, Kinder, ältere Menschen, Gäste aus der Lebenshilfe, Vereine, Institutionen, Ehrenamtliche und Besucher aus der Region. Rund um die Plantage entsteht ein offener Ort, an dem man sich kennenlernen, austauschen, gemeinsam essen, spielen, lachen und das Dorf neu entdecken kann.
Ein wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit Vereinen und Institutionen vor Ort. Durch Aktionen wie Dorfrallye, Bewegungsangebote, Stationen im Dorf, kreative Angebote, Musik, Kaffee und Kuchen wird sichtbar, wie viel Engagement in Hattorf vorhanden ist. Vereine und Einrichtungen zeigen, was sie tun, kommen miteinander in Kontakt und erleben sich als Teil eines gemeinsamen Netzwerks.
Der Tag der Nachbarn stärkt damit nicht nur Begegnung, sondern auch das Ehrenamt, das bürgerschaftliche Engagement im Sport, Vielfalt und Teilhabe. Menschen erleben, dass Gemeinschaft dann wächst, wenn viele ihre Zeit, Ideen und Fähigkeiten einbringen.
Besonders wertvoll ist, dass die Lebenshilfe an diesem Tag selbstverständlich eingebunden ist und Menschen mit Beeinträchtigung mittendrin dabei sind. Inklusiv, integrativ und vielfältig, genau so wird Nachbarschaft erlebbar.
Der Halloween Pizzatreff ist ein weiteres Beispiel dafür, wie aus einer einfachen Idee ein lebendiger Begegnungsanlass werden kann. Rund um den Pizzaofen kommen einmal im Jahr Familien, Kinder, Ehrenamtliche und Nachbarn zusammen. Es wird vorbereitet, dekoriert, gebacken, gegessen, gespielt und gelacht.
Gerade solche offenen Aktionen schaffen unkomplizierte Zugänge zur Plantage. Menschen können ohne große Hürde vorbeikommen, andere Familien treffen, neue Kontakte knüpfen und gemeinsam einen schönen Nachmittag erleben. Für Kinder ist es ein besonderer Tag voller Freude, Verkleidung und gemeinsamer Erlebnisse. Für Erwachsene entstehen Gespräche, Begegnungen und oft auch neue Verbindungen.
Mit Einbruch der Dunkelheit ziehen die Familien anschließend gemeinsam los durch das nächste Wohngebiet und die Kinder sammeln Süßes. So verbindet der Halloween Pizzatreff die Begegnung auf der Plantage mit dem Dorfleben im Umfeld. Nachbarschaft wird nicht nur auf dem Gelände erlebt, sondern setzt sich auf den Wegen und an den Haustüren fort.
Der Halloween Pizzatreff zeigt, dass Gemeinschaft nicht immer ein großes Konzept braucht. Manchmal reicht ein Anlass, ein Ofen, etwas Zeit und viele Menschen, die Lust haben, gemeinsam etwas Schönes entstehen zu lassen.


Ein besonderes Highlight war die Vorstellung des Vereins im Landtag. Raum zum Wachsen durfte sich dort mit einem eigenen Stand präsentieren und zeigen, was durch gute Nachbarschaft, Gemeinwesenarbeit und ehrenamtliches Engagement vor Ort entstehen kann.
Mehr als 20 Ehrenamtliche waren mit vor Ort und haben den Verein, die Plantage und die gewachsene Arbeit sichtbar gemacht. Dadurch wurde deutlich, dass hinter den Angeboten nicht nur einzelne Projekte stehen, sondern viele Menschen, die diesen Ort mittragen, gestalten und lebendig machen.
Die Präsentation im Landtag war nicht nur eine große Wertschätzung für die bisherige Arbeit, sondern auch eine wichtige Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, ins Gespräch zu kommen und die Bedarfe vor Ort auf politischer Ebene sichtbar zu machen.
Teilhabe durch Mobilität und Erreichbarkeit
Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, wie Menschen die Plantage überhaupt erreichen können. Nicht alle sind mobil, nicht alle haben Angehörige, die sie fahren können, und gerade Einsamkeit hängt oft auch mit fehlender Erreichbarkeit zusammen.
Aus diesem Bedarf heraus wurde der Gedanke eines Fahrservices weiterentwickelt. Ehrenamtliche Fahrer, Abholangebote und später auch das Vereinsfahrzeug helfen dabei, Menschen den Zugang zur Plantage zu erleichtern. Dadurch wird Teilhabe ganz praktisch möglich. Menschen können am Mittagstisch teilnehmen, Angebote besuchen, Gemeinschaft erleben und wieder sicher nach Hause kommen.
Mobilität wird so zu einem wichtigen Schlüssel gegen Einsamkeit und für mehr Lebensqualität.
Durch die Gemeinwesenarbeit wurden viele Themen sichtbarer, die im Alltag oft verborgen bleiben: Einsamkeit, Trauer, Demenz, Unsicherheit im Umgang mit Behörden oder Hilfsangeboten, Mobilität, Sprache, fehlende Treffpunkte oder das Bedürfnis nach Austausch.
Daraus entstanden neue Impulse und passende Formate. Ein wichtiges Beispiel ist ein monatlicher Vortrag bei Kaffee und Kuchen. Die Themen entstehen nah an den Menschen und ihren Fragen. Es kann um Gesundheit, Sicherheit, Prävention, Alltagswissen oder ganz allgemeine Themen gehen. Entscheidend ist, dass die Inhalte verständlich, niedrigschwellig und in einer vertrauten Atmosphäre angeboten werden.
Diese Vorträge sind mehr als reine Informationsveranstaltungen. Sie schaffen Raum für Fragen, Gespräche und Austausch. Menschen kommen nicht nur, um zuzuhören, sondern auch, um eigene Erfahrungen einzubringen, Unsicherheiten anzusprechen und miteinander ins Gespräch zu kommen. So werden Themen, die sonst oft allein getragen werden, gemeinsam besprochen.
Zusätzlich sollen zukünftig Themenabende entstehen, die besonders Familienthemen aufgreifen. Damit sollen auch Fragen aus dem Alltag von Familien einen festen Platz bekommen. Die Plantage wird dadurch weiter zu einem Ort, an dem Menschen mit ihren Fragen, Sorgen und Ideen wahrgenommen werden und gemeinsam nach passenden Wegen gesucht werden kann.

Ein großer Teil dessen, was gewachsen ist, wurde durch Ehrenamt möglich. Menschen bringen sich mit Zeit, Ideen, handwerklichem Geschick, Küchenarbeit, Gartenarbeit, Fahrdiensten, Kreativität, Sportangeboten oder einfach mit einem offenen Ohr ein.
Die Förderung hat geholfen, dieses Engagement besser zu begleiten, zu vernetzen und sichtbar zu machen. Viele Menschen erleben auf der Plantage, dass auch kleine Beiträge wichtig sind. Eine Stunde helfen, einen Kuchen backen, jemanden mitnehmen, ein Spiel erklären, einen Raum vorbereiten oder eine Idee teilen, all das trägt dazu bei, dass Gemeinschaft wächst.
So entsteht Selbstwirksamkeit: Menschen merken, dass sie nicht nur teilnehmen, sondern selbst etwas bewirken können.
In den letzten drei Jahren ist ein breites Netzwerk entstanden und gewachsen. Die Plantage arbeitet mit ganz unterschiedlichen Partnern zusammen: mit kommunalen Stellen, freien Trägern, gemeinnützigen Organisationen, Schulen, Kitas, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Kirche, Politik, Presse, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie vielen engagierten Einzelpersonen.
Dabei zeigt sich immer deutlicher: Die Plantage ist zwar in Hattorf verankert, wirkt aber in den gesamten Raum Wolfsburg und in den Kreis Lehre hinein. Besucher, Ehrenamtliche und Kooperationspartner bringen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kontakte mit. Dadurch entsteht ein Netzwerk, das nicht an Ortsgrenzen endet, sondern Menschen über verschiedene Stadtteile und Ortsteile hinweg miteinander verbindet.
Ein wichtiger Teil dieser Vernetzung sind gemeinsame Dorfveranstaltungen. Beim Maibaum bieten wir zum Beispiel gemeinsam mit der Grundschule Kaffee und Kuchen an. Spiel und Spaß für Familien haben wir dort über viele Jahre organisiert und gestalten diesen Teil seit diesem Jahr in Kooperation mit dem MTV. Beim Adventsmarkt verkaufen wir zusammen mit der Kirchengemeinde im Gemeindehaus Kuchen. Solche Veranstaltungen machen sichtbar, wie viel Kraft in gemeinsamer Organisation steckt und wie sehr das Dorf profitiert, wenn Vereine, Einrichtungen und Ehrenamtliche zusammenarbeiten.
Auch der regelmäßige Austausch mit den Vereinen vor Ort ist ein wichtiger Bestandteil. Bei Vereinstreffen entstehen Gespräche, Absprachen und neue Ideen. Es geht darum, nicht nebeneinanderher zu arbeiten, sondern voneinander zu wissen, sich gegenseitig zu unterstützen und Angebote besser miteinander zu verbinden.
Darüber hinaus sind auch dorfübergreifende Gespräche und gegenseitige Vermittlungen entstanden. Wenn Menschen, Vereine oder Einrichtungen mit einem Anliegen kommen, kann oft ein passender Kontakt hergestellt werden. So wächst ein Netzwerk, in dem Wissen, Erfahrungen, Räume, Angebote und Unterstützung geteilt werden. Die Plantage wird dadurch immer mehr zu einer verbindenden Stelle, die Menschen zusammenbringt und Wege zueinander öffnet.
Durch eine Ganztagsveranstaltung der Stadt Wolfsburg kamen wir zudem mit Akteuren aus dem Bildungsbereich zusammen. Diese Kontakte haben sich verstetigt. Bildungsakteure nutzen die Plantage inzwischen regelmäßig für Workshops und kommen dabei auch mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. Auch der Ganztag der Hauptschule Fallersleben ist daraus als regelmäßige Verbindung entstanden.
Zum Netzwerk gehören unter anderem Akteure aus der kommunalen Verwaltung und dem Sozialbereich, aus Schule und Bildung, aus Kita und Ganztag, aus Seniorenarbeit, Gesundheitsamt, Seniorenstützpunkt und Sozialkoordination, aus Vereinen, Feuerwehr, Kirche, Kultur, Sport, Pflege, Hospizarbeit, Nachbarschaftshilfe, Inklusion, Flüchtlingshilfe, Foodsharing, Presse und Politik.
Die Zusammenarbeit mit Partnern wie Lebenshilfe, Flüchtlingshilfe, Schulen, Kitas, sozialen Trägern, Vereinen, Kirchengemeinde, Stadt Wolfsburg, Gemeinde Lehre, Senioren und Gesundheitsstrukturen, Hospiz sowie politischen Vertretern zeigt, wie breit die Gemeinwesenarbeit inzwischen verankert ist.
Diese Vernetzung ist ein zentrales Ergebnis der Förderung. Sie sorgt dafür, dass Bedarfe schneller erkannt werden, Ideen gemeinsam umgesetzt werden können und Menschen leichter an passende Stellen weitervermittelt werden.
Aus einzelnen Kontakten sind tragfähige Beziehungen entstanden. Aus Veranstaltungen wurden Kooperationen. Aus Kooperationen wächst ein Netzwerk, das Hattorf, Wolfsburg und den Kreis Lehre nachhaltig stärkt.
Bildung, Ganztag und Schule als neue Verbindung
Durch eine Ganztagsveranstaltung der Stadt Wolfsburg sind neue Kontakte zu Akteuren aus dem Bildungsbereich entstanden. Aus ersten Gesprächen haben sich regelmäßige Besuche und Kooperationen entwickelt. Einige Bildungsakteure sind seitdem immer wieder bei uns vor Ort, nutzen die Plantage für Workshops und kommen in den Pausen mit uns, den Ehrenamtlichen und den Menschen vor Ort ins Gespräch.
Dadurch wird die Plantage auch für Bildungsträger zu einem besonderen Ort außerhalb klassischer Räume. Lernen, Begegnung und Sozialraum verbinden sich hier auf natürliche Weise. Menschen, die zunächst für einen Workshop kommen, erleben gleichzeitig die Atmosphäre des Ortes, kommen mit der Nachbarschaft in Kontakt und bekommen ein Gefühl dafür, was Gemeinwesenarbeit vor Ort bedeutet.
Auch der Ganztag der Hauptschule Fallersleben kommt seitdem jeden Donnerstagnachmittag für zwei Stunden zu uns. Die Gruppe nutzt unser Außengelände, verbringt Zeit an der frischen Luft und bekommt die Möglichkeit, die Ehrenamtlichen im Garten zu unterstützen. So entstehen ganz praktische Erfahrungen: Jugendliche erleben Verantwortung, Gemeinschaft, Natur, Ehrenamt und Beteiligung nicht theoretisch, sondern direkt vor Ort.
Ein weiterer wichtiger Baustein sind die Fairplaytage. Mit der Regenbogenschule finden jedes Jahr zwei bis drei Tage statt, an denen die Schule mit ganzen Klassenzügen zur Plantage kommt und einen Tag bei uns verbringt.
Die Kinder kommen zu Fuß oder mit dem Bus, frühstücken gemeinsam und erkunden anschließend das Gelände. Es wird gespielt, gelacht, sich bewegt und Neues entdeckt. Im Mittelpunkt stehen dabei Demokratie, Bewegung, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Die Kinder erleben, wie wichtig Fairness, Rücksichtnahme, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Handeln sind.
Besonders schön ist, dass die Kinder nicht nur teilnehmen, sondern aktiv mitgestalten. Sie probieren Spiele aus, bewegen sich gemeinsam, entdecken die Natur, helfen bei praktischen Aufgaben und erleben, wie aus gemeinsamen Tätigkeiten ein gutes Miteinander entsteht. Bei vergangenen Fairplaytagen wurden zum Beispiel Äpfel geerntet und eigener Saft gepresst. Auch beim Zubereiten des Mittagessens haben viele Kinder tatkräftig mitgeholfen. So wird Gemeinschaft ganz praktisch erfahrbar.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Kinder an solchen Tagen miteinander umgehen, sich unterstützen und gemeinsam Freude haben. Am Ende entstehen nicht nur schöne Erlebnisse, sondern auch wichtige Erfahrungen für das soziale Miteinander.
In diesem Jahr nehmen an drei weiteren Tagen zusätzlich die Hauptschule Fallersleben und die Grundschule Fallersleben teil. Damit wachsen die Fairplaytage weiter und erreichen noch mehr Kinder und Jugendliche. Die Plantage wird so immer stärker zu einem Lernort, Erfahrungsort und Begegnungsort für Schulen aus dem Raum Wolfsburg.
Auf dem Weg zur offiziellen Seniorenbegegnungsstätte
Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist die Anerkennung als eine von acht offiziellen Seniorenbegegnungsstätten Wolfsburgs ab Juli 2026.
Diese Entwicklung ist nicht zufällig entstanden, sondern durch die zunehmende Sichtbarkeit der Arbeit, gute Gespräche, gewachsene Kontakte in die Politik und eine umfangreiche Bewerbung. Die Gemeinwesenarbeit hat dazu beigetragen, Bedarfe älterer Menschen deutlicher sichtbar zu machen und gleichzeitig zu zeigen, dass die Plantage bereits heute ein wichtiger Ort für Begegnung, Teilhabe, Bewegung und Unterstützung ist.
Als Seniorenbegegnungsstätte kann die Plantage ihre Arbeit weiter verstetigen, stärker vernetzen und langfristig absichern. Gleichzeitig bleibt der Grundgedanke erhalten: ein offener Ort für alle Generationen, an dem Menschen niedrigschwellig zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können.
